L 19/362 - Umbenennung des Antikolonialdenkmals

L 19/362 - Umbenennung des Antikolonialdenkmals

Beitragvon Moderator » Di 4. Jun 2019, 11:09

Herr Marcus Funke hat nachstehende Petition eingereicht:

Um, oder Rückbenennung des Antikolonialdenkmals

Wenn Denkmale ein Zeichen gegen das Vergessen setzen sollen liegt eine sprachliche Logik darin, dass Antidenkmale ein Zeichen für das Vergessen setzen. Eine weitere allgemeine Logik liegt darin, dass nur Ereignissen gedacht werden kann, die auch tatsächlich stattgefunden haben.

Wer zum Ausdruck bringt, dass er dem Gegenteil von etwas gedenken wolle, was nun einmal historisch erwiesenermaßen stattgefunden hat, der muss aufpassen, dass er sich nicht an den Versuch von Geschichtsfälschung begibt.

Zum Vergleich gefragt, was würde geschehen, käme jemand auf die Idee, dass Stälenfeld vor dem Reichstag in 'Antiholocaustdenkmal' umzubenennen?

Bewältigen kann eine Gesellschaft grundstätzlich nur die Vergangenheit, der sie sich stellt und das sollte gerade da zum Ausdruck kommen, wo sich diese Bewältigung im öffentlichen Raum vollzieht.

Gedenken kann man etwas in unterschiedlicher emotionaler Befindlichkeit. Insoweit ist von Trauer über Stolz bis zu Glorifizierung alles möglich. Der künstlerischen Ausgestaltung kommt im Zweifel mehr Bedeutung zu als der Namensgebung.

Ein roter Backsteinelefant isoliert betrachtet trifft nicht unbedingt eine Aussage. In Verbindung mit der dort 1996 von Henning Scherf und dem damligen Namibischen Staatspräsidenten angebrachten Bronzetafel hat er eine sehr unmissverständliche.

Gut zu dieser Aussage passen würde daher nach Meinung des Unterzeichnenden auch der Begriff Mahnmal. Das Gedenken an Opfer von Kolonialherrschaft im Rahmen eines Antikolonialmaldenkmals ist nicht nur eine Semantische Schizzophrenie, es hat darüber hinaus ein reichlich heuchlerisches Geschmäckle.

Hanseatentum ist zuvorderst Geradlinigkeit. Geradlinigkeit heißt, gerade zu den unrühmlichen Ereignissen der eigenen Geschichte in Wort, Schrift, oder auch Kunst zu stehen und nicht die Suche nach demonstrativ gutmenschischen Formulierungen, die Abgrenzung zum Ausdruck bringen sollen.

Abgrenzugng ist in solchen Kontexten nämlich nichts anderes als ein positiv konotiertes Synonym für Verdrängung.

Der Akt der Umbenennung wäre insoweit auch Gelegenheit, einen gänzlich neuen Umgang mit Opfern generell zu proben, denn im Umgang mit dieser Gruppe gibt es in dieser Gesellshaft keine Kultur.

Zwar gab es in 1996 schon den Begriff des Antikolonialdenkmals, dies aber erstens noch nicht in Verbindung mit einem Nelson Mandela Park, zweitens unterliegt auch die Erinnerungskultur dem Wandel.

Es wäre wegweisend, in diesem Rahmen zunächst einmal die Nachkommen der Herrero und Namu zu befragen, denn jedes Denkmal erfüllt im Zweifel dann seinen Zweck, wenn es im Sinne der Personegruppe augestaltet und benannt ist, zu deren Gedenken es errichtet wird.
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