S 19/348 - Änderung des Anwahlverfahrens für weiterführende Schulen

S 19/348 - Änderung des Anwahlverfahrens für weiterführende Schulen

Beitragvon Moderator » Mo 7. Mai 2018, 12:44

Frau Tania Schink hat nachstehende Petition eingereicht:

Jedes Jahr im Januar werden die Eltern der aktuellen Viertklässler gebeten, die weiterführende Schule zu „wählen“. Und jedes Jahr verkündet die Schulbehörde im März, dass mehr als 95% der Kinder eine ihrer Wunschschulen bekommen haben und die Wahl ein Erfolg war. Dabei werden die Probleme, die Hilflosigkeit und auch das Leid der Familien verschwiegen, die statt einer der drei gewählten Schulen nun Restplätze an für sie aufgrund der Entfernung, Halbtagsbetreuung und/oder Schulform unakzeptablen Schulen „angeboten“ bekommen. In diesem Jahr gab es wieder rund 161 solcher Losverlierer! Zudem gibt es jedes Jahr eine hohe Dunkelziffer von Familien, die „taktisch“ gewählt haben, um nicht am Ende ohne Schule dazustehen, aber unglücklich sind, wenn sie die aus taktischen Gründen gewählte, aber eigentlich nicht wirklich gewünschte, „sichere“ Zweit- oder Drittwahl dann tatsächlich bekommen.

Das Grundproblem dieses Verfahrens ist, dass die Wahl keine wirkliche Wahl, sondern nur ein vermeintlich „faires“ Verteilsystem der Kinder auf begrenzte Schulplätze ist. In vielen Stadtteilen gibt es zu wenige Schulplätze, sowohl an Oberschulen als auch an Gymnasien. Wir fordern, dass die Kapazitäten dem Bedarf angepasst werden und nicht umgekehrt! Statt Kindern Restplätze an Schulen zuzuteilen, die sie aus guten Gründen nicht gewählt haben, müssen dort Plätze geschaffen werden, wo sie gebraucht werden!

Zudem muss das Wahlsystem so angepasst werden, dass es die Wünsche der Familien widerspiegelt. Momentan muss eine Familie, die „einfach nur“ eine wohnortnahe Schule für ihr Kind möchte, aber das Pech hat, dass die Schulen in der Nähe überangewählt sind, darauf hoffen, zufällig die Schule mit den besten Chancen in diesem Jahr gewählt und zudem noch das Losglück auf ihrer Seite zu haben. Und was soll eine Familie wählen, die sich nach Beratung durch die Lehrer dafür entschieden hat, ihr Kind auf ein Gymnasium zu schicken? Das Gymnasium, das aufgrund von Nähe, Profil, Betreuungsangebot etc. am besten passt, aber leider oft stark überangewählt ist? Oder doch lieber das vermeintlich sichere, im letzten Jahr weniger angewählte Gymnasium? Wo bleibt da der gewünschte Wettbewerb zwischen den Schulen? Und was machen Eltern, die aufgrund von Berufstätigkeit auf eine Nachmittagsbetreuung angewiesen sind, wenn die Schulen mit diesem Angebot in der Umgebung alle überangewählt sind?

Das momentane Wahlverfahren ist sowohl für die Eltern, als auch für die Kinder nervenaufreibend, lässt aber den Eltern keine wirkliche Wahl, da die Kapazitäten nicht dem Bedarf angepasst werden und das Wahlsystem die Wünsche oder Bedürfnisse der Eltern hinsichtlich Wohnortnähe, Schulform oder Betreuungszeit nicht adäquat abbildet.
Wir fordern deshalb, die Kapazitäten der Schulen so anzupassen, dass
• alle Kinder (soweit gewünscht) einen Platz an einer wohnortnahen Oberschule erhalten,
• alle Kinder über dem Regelstandard, deren Eltern sich für ein Gymnasium entscheiden, einen wohnortnahen Gymnasialplatz bekommen und
• die Bedürfnisse der Eltern nach Nachmittagsbetreuung in den Jahrgangstufen 5 und 6 erfüllt werden!
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Re: S 19/348 - Änderung des Anwahlverfahrens für weiterführende Schulen

Beitragvon Patrik » Mi 16. Mai 2018, 15:38

Sehr interessant wäre in diesem Zusammenhang mal zu überprüfen, wie hoch grundsätzlich die Anteile der Schüler in den einzelnen Stadtteilen sind, die eine Gymnasialempfehlung erhalten.

In Findorff z.B. habe ich nun schon mehrfach mitbekommen, dass die Empfehlungsquote kleiner als 10% in den einzelnen Klassen ist. Wie kann das sein? Liegt es vielleicht auch daran, dass es in Findorff kein Gymnasium gibt? In Schwachhausen dafür z.B. aber eine Vielzahl. Ist dort die Empfehlungsquote ebenfalls so niedrig? Soll auf diese Art etwa die Gymnasialanwahl von Schülern aus Stadtteilen ohne „eigenes“ Gymnasium „gesteuert“ werden?

Eine Aufstellung nach Stadtteilen wäre da doch evtl. sehr erhellend.
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Re: S 19/348 - Änderung des Anwahlverfahrens für weiterführende Schulen

Beitragvon Antje » So 20. Mai 2018, 10:29

Gesundheitsaspekt nicht vernachlässigen

Weil unsere Kinder heutzutage zunehmend an Gesundheitsproblemen, wie z.B. Übergewicht und sogar Fettleibigkeit, aber auch muskuloskelettalen Problemen oder Stoffwechselstörungen leiden, gewinnen eine gesunde Ernährung und Bewegung im Alltag mehr und mehr an Bedeutung.

Dass Kinder aus Findorff nach Huchting, Kinder aus Schwachhausen nach Gröpelingen und Kinder aus dem Viertel nach Vegesack (ge-)fahren (werden) müssen und nicht aktiv selbst dorthin gelangen, hilft nicht gerade dabei, regelmäßige Bewegung zu ermöglichen. Kinder erlernen außerdem nicht, sich eigenständig in ihrer Umgebung zu orientieren, unabhängig zu den für sie wichtigen Orten zu gelangen und sich im Verkehr sicher zu verhalten. Kinder sollten die Möglichkeit haben, selbständig zur Schule zu gelangen; das entlastet nebenbei auch die Familien und Eltern.

Vermeidbare Umwelt- und Verkehrsbelastung sind weitere Aspekte, die in der Diskussion beachtet werden sollten.

Die Forderung, wohnungsnahe Schulplätze zu schaffen, muss daher im Vordergrund der Bemühungen stehen.
Antje
 
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