S 19/297: Beschäftigung Schulsozialarbeiter/in an der Ganztagsgrundschule Karl-Lerbs-Straße

S 19/297: Beschäftigung Schulsozialarbeiter/in an der Ganztagsgrundschule Karl-Lerbs-Straße

Beitragvon Moderator » Mo 27. Nov 2017, 09:26

Frau Veronika Schlierf hat nachstehende Petition eingereicht:

Schaffung einer Vollzeitstelle „Schulsozialarbeit“ für die Ganztagsgrundschule an der Karl-Lerbs-Straße sowie allgemein Sozialarbeit an allen Bremer Schulen als Qualitätsstandard

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir – der Elternbeirat der Ganztagsgrundschule an der Karl-Lerbs-Straße – fordern die Ausstattung unserer Schule mit mindestens einer Vollzeitstelle „Schulsozialarbeiter/in“.

Unsere Schule ist eine der größten gebundenen Ganztagsgrundschulen in Bremen und mit fast 360 Schüler/innen die größte Ganztagsgrundschule in der Bremer Neustadt. Unsere Kinder verbringen hier den überwiegenden Teil ihrer Zeit und finden sich in einer zunehmend heterogenen Gemeinschaft wieder, sowohl in Bezug auf Migrationshintergrund als auch hinsichtlich Bildungsstand und sozioökonomischer Herkunft.
„Wir wollen nicht, dass der Geldbeutel, die Herkunft oder der kulturelle Hintergrund der Eltern bestimmt, wie gut oder schlecht Kinder die Schule meistern. Unser Ziel ist, dass alle Kinder in Bremen bessere Bildungschancen bekommen. Deshalb setzen wir uns für ein längeres, gemeinsames Lernen und eine Schule für Alle ein, die nicht ausgrenzt, sondern verschiedene Wege zum Ziel möglich macht.“

Wir – Eltern von Schülern und Schülerinnen der gebundenen Ganztagsgrundschule Karl-Lerbs-Straße – fordern, dass die Aussagen der Regierungsfraktion bezüglich der Bildung und Sozialisation unserer Kinder ernst genommen und umgehend umgesetzt werden.
Bereits 1993 – vor beinahe 25 Jahren – ist im 10. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung folgendes festgestellt worden:
„Schulsozialarbeit (...) ist in der Lage, Kinder frühzeitig zu fördern, zu stützen, sozial zu stabilisieren, präventiv im Sinne von Vermeidung sozialer Ausgrenzung, Minderung individueller Lebenschancen und der Verhinderung von Schulflucht und -verweigerung zu wirken sowie notwendige Maßnahmen in die Wege zu leiten.“
Einem gut begründeten Antrag der Schulleitung im Juni 2017 gemeinsam mit dem Elternbeirat zur Erweiterung des Teams durch eine/n dringend erforderliche/n Schulsozialarbeiter/in wurde bislang nicht stattgegeben, obwohl die individuelle Situation an unserer Schule durch eine anonyme schulinterne Erhebung detailliert und nachvollziehbar beschrieben wurde.
Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen der Ganztagsgrundschule Karl-Lerbs-Straße werden vertröstet, indem eine Schulsozialarbeiterstelle in Aussicht gestellt wird, wenn die notwendigen finanziellen Mittel „freigegeben“ seien. Ein genauer Zeitpunkt für die Schaffung der Schulsozialarbeiterstelle wird leider nicht genannt.
Aus dem Antrag ist deutlich hervorgegangen, dass ein signifikanter Anteil der Schüler/innen und ihrer Familien ein größeres Maß an Hilfe benötigen, als diese im alltäglichen Schulbetrieb zu leisten ist. Dringend wird eine Fachkraft benötigt, die in Zusammenarbeit mit beispielsweise dem Jugendamt, Kipsy oder dem Kontaktpolizisten ganzheitliche und nachhaltige pädagogische Lösungsstrategien entwickelt und umsetzt. Nur so lässt sich sicherstellen, dass es allen Kindern – unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund – möglich ist, erfolgreich die Grundschule zu durchlaufen.
Eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht in der Grundschule sowie eine positive Bindung an die Institution Schule ist für einen weiteren positiven Bildungsverlauf unerlässlich. Die Schaffung einer Schulsozialarbeiterstelle in der Grundschule kann sich für den einzelnen langfristig positiv auswirken. Mittelbar kann sie sich positiv auf gesellschaftliche Problematiken wie Schulabbrüche, Jugendarbeitslosigkeit und die „Vererbung von Langzeitarbeitslosigkeit“ auswirken. Gerade im Grundschulalter lassen sich mittels positiver Lernerfahrungen Interesse und Neugier wecken, welche Kinder ein Leben lang begleiten können.
Auch vor dem Hintergrund der mittlerweile veröffentlichten IQB-Vergleichsstudie zu Grundschulen in Deutschland erscheint soziale Arbeit an allen Bremer Grundschulen besonders wichtig, um überhaupt erst die Grundlage zu schaffen, dass das Lehr- und Erzieherpersonal seinen Bildungsauftrag erfüllen kann.
Nicht zuletzt verstößt die Nichtberücksichtigung unserer Schule bei der Verteilung von sozialer Arbeit gegen das Bremer Schulgesetz, welches in §3 (3) unter anderem besagt, dass „die Schule (…) der Ungleichheit von Bildungschancen entgegenwirken und soziale Benachteiligungen abbauen“ soll.
Moderator
 
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