S 19/202 - Erhalt der Platanen am Neustädter Deich

S 19/202 - Erhalt der Platanen am Neustädter Deich

Beitragvon Moderator » Do 9. Feb 2017, 12:24

Herr Reinhard Lippelt hat nachstehende Petition eingereicht:

für die Bürgerinitiative Platanen am Deich

Petition für den Erhalt der 133 stadtökologisch wertvollen, stadtbildprägenden Platanen am Neustädter Deich (sog. Stadtstrecke).
Auf Grundlage des Generalplans Küstenschutz soll der Neustädter Deich (Stadtstrecke) von Beck´s bis zum Rote Kreuzkrankenhaus, auf einer Länge von ca. 1,8 km erhöht bzw. die Standsicherheit u.die Stabilität des Deiches verbessert werden. Im Rahmen der Planungen zu dem Projekt wurde vom Deichverband 2015 eine Machbarkeitsstudie erstellt, in der verschiedene Varianten zum Deichbauprojekt entwickelt und erörtert werden. Und obwohl es in der Machbarkeitsstudie Varianten gibt, die den Erhalt eines Großteils der 133 mächtigen und stadtökologisch wertvollen Platanen auf weiter Strecke ermöglichen, beabsichtigt die Baubehörde eine Variante (sog. Vorzugsvariante) durchzudrücken, die die Fällung der Bäume vorsieht.

DIE FÄLLUNG der 133 PLATANEN ist NICHT NOTWENDIG, um den HOCHWASSERSCHUTZ in der Neustadt ZU GEWÄHRLEISTEN. Dies lässt sich unmissverständlich der oben erwähnten Machbarkeitsstudie entnehmen! Ebenso gehen die offiziellen Baumgutachten des Deichverbandes von einer Lebenserwartung der Platanen von mindestens 50-60 WEITEREN JAHREN aus. Davon will man im Hause Lohse allerdings nichts mehr wissen. Aber dem Bauressort und Stadtplanern geht es offensichtlich in erster Linie nicht um den Hochwasserschutz, sondern der Neustädter Deich soll ohne Rücksicht auf den wertvollen Baumbestand, stadtplanerisch völlig übertrieben umgestaltet werden.

Der Hochwasserschutz in Bremen dient dem Bauressort dazu, die stadtplanerischen Ambitionen des Innenstadtkonzeptes „Bremen Innenstadt 2025“ zu verwirklich. In diesem Stadtplanungskonzept wird die Alte Neustadt dem Innenstadtbereich zugeschlagen und soll stadtplanerisch erschlossen und "aufgewertet" werden. Dem stehen die 133 Platanen, im wahrsten Sinne des Wortes, offensichtlich im Wege. Mit dem Kahlschlag von Beck´s bis zum Rote Kreuzkrankenhaus soll eine breite Uferpromenade (ca über. 6 Meter breit), ähnlich wie an der Schlachte, verwirklicht werden. Das dies auf Kosten des stadtökologisch wertvollen Baumbestandes und damit der Lebensqualität und Gesundheit der Bremer Bürger geschieht, wird wider besseres Wissen in Kauf genommen. Von den höheren Kosten von ca. 2 Mill. Euro, die bei Umsetzung der „Kahlschlagvariante“ zusätzlich für den Bremer Haushalt anfallen würden, ganz zu schweigen. Der stadtökologische Schaden würde zusätzlich noch einmal ca. 10 Millionen Euro betragen. DIE PLATANEN gilt als ungemein ROBUSTER, LEBENSSTARKER, auch LUFTVERSCHMUTZUNG TROTZENDER, INDUSTRIEFESTER Baum. Das unterscheidet die Platane von vielen anderen Bäumen, die unter den dort auftretenden Umweltbelastungen stark leiden würden und sich eventuell nicht "Baumgerecht" entwickeln könnten.

Auch dass die von vom Bauressort geplante Kahlschlagvariante und damit alle prämierten Wettbewerbsbeiträge zur Umgestaltung des Neustädter Deiches dem Bundesnaturschutzgesetz widersprechen, wird vom Bauressort ignoriert. Das Bundesgesetz besagt aus gutem Grunde, dass Bauprojekte so umzusetzen sind, dass sie den geringstmöglichen Schaden in der Natur anrichten. Entweder ist dies dem von Senator Lohse geführten Bauressort nicht bekannt oder es besteht die Absicht, sich darüber hinwegzusetzen.

Wie oben beschrieben, gibt es Varianten, die den Erhalt des Baumbestandes auf dem Deich zumindest bis unterhalb des Wehres ermöglichen und ebenfalls eine breite Uferpromenade (4 Meter) vorsehen. Oberhalb des Wehres sollten Alternativvarianten, die ebenfalls den Erhalt des Baumbestands ermöglichen, entwickelt werden.

Die Baubehörde behauptet, dass ein Großteil der Platanen unter dem Massaria-Pilz leiden würde und sowieso bald gefällt werden müssten bzw. durch die Baumaßnahme nicht lange überleben würden. Diese Behauptung steht im Widerspruch zum offiziellen Baumgutachten, dem zu entnehmen ist: "Grundsätzlich wird aber auch bei einer dauerhaften und kostenintensiven Pflege ein Erhalt der meisten Platanen unter den vorgenannten baulichen Bedingungen über einen langfristigen Zeitraum für möglich gehalten."(BG 2015)

Außerdem ist festzustellen, dass der Massaria-Pilz nur durch eine Laboruntersuchung sicher festgestellt werden kann, welche bis heute nicht erfolgt ist. Ob die Bäume überhaupt daran erkrank sind kann daher nicht einmal mit Sicherheit gesagt werden.

Außerdem würde ein Befall einiger Bäume keineswegs den Tod der Platanen bedeuten! ZWEI weitere RENOMMIERTE BAUMSACHVERSTÄNDIGE haben der BÜRGERINNENINITIATIVE Platanen am Deich BESTÄTIGT, dass ein möglicher Befall einiger Platanen mit dem Massariapilz bei der geplanten Baumaßnahme zu vernachlässigen ist und DASS SCHNITTE an den richtigen STELLEN die ERKRANKUNG REDUZIEREN könnten.

Unsere BürgerInneninitiative (BI) Platanen am Deich wendet sich mit dieser Petition an alle Bürgerinnen und Bürger, die sich konstruktiv gegen den rigiden und als alternativlos dargestellten Kahlschlag am Neustädter Deich und damit für eine Bewahrung unserer stadtökologischen Lebensgrundlagen in Bremen einsetzen möchten.

Vielen Dank für Eure Unterstützung!
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Re: S 19/202 - Erhalt der Platanen am Neustädter Deich

Beitragvon Holzapfel Günther » So 5. Mär 2017, 18:48

Beachtung der Vereinbarkeit von Hochwasserschutz und Platanenallee
Diese Platanenallee ist eines der schönsten Naturdenkmäler in Bremen. Als ich 1987 zum ersten Mal in der Neustadt lebte, waren diese Bäume mein wunderbarer Begleiter auf dem Weg zu meiner Arbeit. Meine Freude über diese Bäume ist auch jetzt noch immer riesengroß, wenn ich den Weg entlang der Weser fahre, seit ich in Woltmershausen wohne. Ich brauche da keine Flaniermeile wie an der Schlachte mit staksigen, spindeldürren Neuanpflanzungen.
Das Bauressort unter grüner Ägide ist Meister im Ignorieren von Faktoren, die für die Erhaltung und Ausweitung der Bedingungen für mehr Lebensqualität der Quartiere links der Weser wichtig sind. Das haben in den letzten Jahren einige Initiativen erfahren müssen (zu gedrängte Deichtorbebauung, Mißachtung von Lärmschutzfaktoren beim Bau neuer Märkte, zu dichte und zu hohe Bebauung bei Gartenstadt Werdersee, geil auf höhere Pacht- und Steuereinnahmen im neuen Vergnügungspark Lankenauer Höft – betrifft zwar Hafensenator, bleibt aber die gleiche Regierung). Nicht einmal die Einbrüche von SPD und Grünen bei den Wählerzahlen bei der letzten Bürgerschaftswahlen bringen das Bauressort dazu, BürgerInnen genauer zuzuhören. Nein! Einfach weitermachen, auch wenn neue Gutachten die Vereinbarkeit von Hochwasserschutz und Platanenallee aufzeigen. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass Bauressortleitung und die dazugehörige Administration sich im Fall der Platanenerhaltung flexibler, kompetenter und achtsamer zu den Interessen der BürgerInnen und den Vereinbarkeitsgutachten verhalten als in den oben angeführten Beispielen.
Günther Holzapfel
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