S 20/64 - Erhalt der nördlichen Lesumwiesen

S 20/64 - Erhalt der nördlichen Lesumwiesen

Beitragvon Moderator » Fr 20. Dez 2019, 12:41

Frau Susanne Meinrenken hat nachstehende Petition eingereicht:

Für den Erhalt der nördlichen Lesumwiesen – gegen die Zerstörung eines einzigartigen Biotops!

Die vielfältige Naturlandschaft des Wald-Sumpf-Feuchtwiesen-Komplexes zwischen „An Knoops Park“ und dem Wassersportverein Bremer Schweiz soll großen Flachwasserzonen weichen (Ersatzmaßnahme C3).
Wir möchten die Wiesen in ihrer außergewöhnlichen Vielfalt erhalten und fordern daher, diese vor 20 Jahren festgelegte Ersatzmaßnahme nicht in diesem Gebiet durchzuführen.
Unsere Forderung begründen wir wie folgt:
1. Ein aktuelles Gutachten eines ausgewiesenen Botanikers bzgl. dieses hochgradig schutzwürdigen, landesweit bedeutsamen Biotopkomplexes führt mehr als 160 Pflanzenarten (teils von der Roten Liste) auf. Die Lesumwiesen sind die letzten Feuchtwiesen nördlich der Weser und beheimaten die einzige Kohldistelwiese im Land Bremen. Dieses Biotop bietet Raum für gefährdete Arten, die durch die Baggerarbeiten und die Wasserzonen vernichtet würden.
2. Die für die Maßnahme vorgesehene Fläche ist für die gesamte Gegend und ihre stark zunehmende Bewohnerzahl von herausragender Wichtigkeit, und zwar als:
• Schutz vor den Auswirkungen von Starkregen auf die Wohnhäuser in der Umgebung,
• landschaftlich in Bremen und Umgebung einzigartiges Biotop mit zahlreichen (z.T. geschützten) Pflanzenarten sowie (seltenen) Tieren, die dort einen Rückzugsort finden,
• Lebensraum speziell für Wildbienen, Schmetterlinge und Insekten, die durch Gifteinsatz im Gartenbau und in der Landwirtschaft oder durch Flächenverbrauch (Verkehr, Gewerbegebiete, Siedlungen) gefährdet sind,
• Möglichkeit des wohnumfeldnahen Erlebens einer unersetzlichen Naturlandschaft für alle Bürger und insbesondere für Kinder im Einklang mit dem Naturschutz.
3. Die Festlegung als Ersatzmaßnahme wegen der Verfüllung des Überseehafens (Ersatzmaßnahme C3, Flachwasserzone an der Lesum) erfolgte vor mehr als 20 Jahren: ein Ersatz bzw. Ausgleich muss innerhalb weniger Jahre stattfinden. Nun, im Jahr 2019, ist dieser Zusammenhang nicht mehr gegeben. Die damals noch bewirtschafteten Wiesen haben sich in diesen 20 Jahren, wie oben beschrieben, zudem zu einem einzigartigen Biotop entwickelt.
4. Die Lesumwiesen in ihrer jetzigen Form erfüllen (ohne Geld zu kosten) immer wieder propagierte Ziele von Naturschutzverbänden und Politikern: Lebensraum für einzigartige blühende Pflanzen, die neben Säugetieren und Vögeln vor allem auch Insekten Nahrung und Lebensraum bieten.

Wir fordern, eine andere Fläche mit deutlich geringerem landschaftlichem Wert für diese Ersatzmaßnahme zu nutzen, sodass tatsächlich ein Mehrwert entstehen kann.

Wir fordern: Die geplante Flachwasserzone mit den veranschlagten Kosten von 1,5 Mill soll nicht die über Jahrzehnte gewachsene vielfältige und einzigartige Naturlandschaft der Lesumwiesen zerstören!
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Re: S 20/64 - Erhalt der nördlichen Lesumwiesen

Beitragvon martin151 » So 19. Jan 2020, 18:23

Mein Name ist Martin Opolka,
abgesehen von den oben angeführten, guten und wichtigen Argumenten gibt es meines Erachtens noch weitere Punkte zu bedenken:

ich möchte daran erinnern, dass die Begründung für die Zerstörung der nördlichen Lesumwiesen ja die Durchführung einer Ausgleichsmaßnahme für die Verfüllung der Hafenbecken im Überseehafen ist. d.h., wenn an einer Stelle eine natürliche Wasserfläche durch Verfüllen zerstört wird, muss um den Lebensraum der dort heimischen Tier und Pflanzenwelt zu erhalten, an anderer Stelle in der Nähe ein entsprechender Ausgleich geschaffen werden.

Nun ist es jedoch so, dass es sich bei den damals verfüllten Hafenbecken überhaupt nicht um natürliche Wasserflächen handelte, vielmehr waren die Hafenbecken künstlich geschaffene Becken, die durch das Verfüllen einfach nur wieder in den Zustand gebracht wurden, in dem sie vor ihrem Bau waren weil sie in dieser Art für die moderne Schifffahrt (Containerumschlag) nicht mehr benötigt wurden und die Stadt berechtigterweise diese Bereiche einer sinnvollen Nutzung zuführen wollte. - Daraus folgt, dass eine Ausgleichsmaßnahme in Bezug auf die dafür gültigen Vorschriften überhaupt nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Es wurden ja lediglich künstlich geschaffene Hafenbecken durch Verfüllen wieder in den ursprünglichen Zustand gebracht.

Ein weiteres Argument der Befürworter der Ausgleichsmaßnahme war es, den Fischen und Pflanzen einen Ersatz - Lebensraum zu schaffen. Nun ist es jedoch so, dass auf Grund der früher verwendeten Bleiffarben an den Schiffsrümpfen und dem laxen Umgang mit Schweröl diese Hafenbecken so belastet waren, das dort überhaupt keine Fische und Wasserpflanzen existiert haben, für die man einen Ausgleich hätte schaffen müssen.

Die Ausgleichsmaßnahme in der derzeit geplanten Form ist technisch so angelegt, dass große Bereiche der Flächen bei Ebbe trocken fallen.Genau diese Eigenschaft hatten ja die Bereiche, für die ausgeglichen werden soll, NICHT. Es soll also an der falschen Stelle ( Lesum , nicht Weser) für bis zu 12 Meter tiefe Hafenbecken eine FLACHwasserzone errichtet werden, mit AUSGLEICH hat das nichts zu tun.

Last but not least, sicher ist bisher nur, dass mit Durchführung der geplanten Maßnahme die oben beschriebene Tier- und Pflanzenwelt zerstört würde. Ob sich in der geplanten Flachwasserzone überhaupt die Fauna und Flora ansiedelt, die man sich vorstellt, ist völlig unklar, weil jegliches Monitoring z.b. des Bereiches östlich der geplanten Maßnahme schlichtweg nicht stattgefunden hat.
martin151
 
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