L 20/347: Änderungen der Lockdownbestimmungen für den Amateursport

L 20/347: Änderungen der Lockdownbestimmungen für den Amateursport

Beitragvon Moderator » Fr 14. Mai 2021, 09:13

Herr Enrico Sinkwitz hat nachstehende Petition eingereicht:

"Die Beschwerde richtet sich gegen die andauernden geltenden Lockdownbestimmungen für
den Amateursportbereich.
Diese Maßnahmen stehen nicht im Einklang mit geltender Gesetzgebung.
Die jetzigen Verordnungen sorgen dafür, dass im Amateursportbereich 52 Prozent der Vereine
erwarten im Laufe dieses Jahres eine existenzbedrohende Situation zu erleben.
(Quelle: Erhebung der Deutschen Sporthochschule Köln)
Sorge macht den Klubs vor allem, dass Mitglieder austreten, weil wegen der Pandemie kaum
noch Sport möglich ist. 44 Prozent der Vereine melden für 2020 sinkende Mitgliederzahlen.
Tendenz für 2021 steigend. Das sind deutlich mehr als bei einer Befragung während des ers-
ten Lockdowns im Frühjahr 2020.

Dieser Rückgang an Mitgliedern wird sich im Jahr 2021 enorm verschärfen.

Allein der bayrische Landessportbund rechnet mit einem Verlust von 100.000 Mitgliedern bis
zum Jahresende.
Der Landessportbund Sachsen veröffentliche eine Petition zur Bundestagswahl 2021 der
Deutschen Sportjugend, welche sich an die Bundesparteien und zukünftige Bundesregierung
gewandt hat.

Hierzu zitieren wir aus dieser Petition der Deutschen Sportjugend:
„...wichtige Rolle für Bewegungsförderung und Sport haben Vereine eine besondere Bedeu-
tung für gesellschaftliche Teilhabe, Bildung und Persönlichkeitsentwicklung.“
„Viele Kinder haben verlernt, zu spielen, sich unbeschwert zu bewegen und Kontakt zu
Gleichaltrigen aufzubauen“
„Viele Jugendliche sind in virtuellen Welten versunken“
„Mit der realen Gemeinschaft im Sportverein kann zudem ein Kontrapunkt zu erstar-
kenden demokratiefeindlichen Kräften gesetzt werden – für Sport, Gesundheit, Bewe-
gungsfreundlichkeit, Gemeinschaft und Teilhabe, junges Engagement und eine starke
Demokratie.

Weiterhin hat der Landessportbund Brandenburg bereits am 23.02.2021 ein Konzept der dorti-
gen Landesregierung vorgelegt mit einer schrittweisen Rückkehr des Sports.
Eine ernsthafte Reaktion auf dieses Konzept bleibt die Landesregierung Brandenburg bis heu-
te schuldig, bedauert LSB-Vorstandsvorsitzender Andreas Gerlach.

Weiter erwähnte Herr Gerlach folgendes:
„Man kann inzwischen den Eindruck gewinnen, dass kommerzielle Einrichtungen wie Golf-
plätze oder Fitnessstudios* eine wesentlich größere Rolle in der politischen Debatte spielen
als der Vereinssport, der bekanntermaßen die größte gesellschaftliche Bewegung im Land darstellt. Die Vereine verdienen mehr Beachtung und brauchen schnellstmöglich eine Per-
spektive – sowohl im Kinder- und Jugend- als auch im Erwachsenensport.“
*hier möchten wir die Fitnesskette McFit erwähnen, welche mit einer noch unbekannten Ar-
gumentation hier nur allein für sich handelt und somit per gerichtlichen Beschluss weitere
Outdoor Fitnessstudio eröffnet. Man gewinnt hier sehr schnell den Eindruck, dass es dem Be-
sitzer dieser Fitnesskette nicht um das allgemeine sportliche Wohl und die Gesundheit der Be-
völkerung geht, sondern vielmehr um seine Monopolstellung im Sektor der Fitnessstudios und
dem einhergehenden Gewinn.

*nicht unerwähnt lassen möchten wir die Nähe der Deutschen Fußballliga zur Politik. Es
wirkt schon sehr befremdlich, wenn eben ein Axel Springer Verlag (Bild Zeitung), mit einer
großen gewinnorientierten Lobby (DFL), den Bundesgesundheitsminister Herrn Jens Spahn
zu sich in die Zentrale zum Gespräch mit den ranghöchsten Vorstandsbossen von Bundesligis-
ten lädt. Kurz darauf gab die Politik grünes Licht für eine Fortsetzung des Profifußballs. Die
Argumentation, dass Profifußball mit einem Unternehmen gleich zu setzen sei, ist schon im
Ansatz nicht nachvollziehbar.
Jeder kleine Verein, Studiobesitzer, Personaltrainer etc. handelt doch auch unternehmerisch.
Wenn diese Personen nicht unternehmerisch handeln würden, wären sie auf dem Markt des
Amateursports nicht mehr vertreten. Warum nun hier der Profi als Unternehmer zählt und der
kleine Anbieter von sportlichen Leistungen eben nicht, ist für die gesamte Gesellschaft nicht
nachvollziehbar.

Depression bei Erwachsenen und vor allem bei Jugendlichen und Kindern, haben in der Pan-
demie deutlich zugenommen.
So wies der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) bereits am 25.11.2020 in
ihrer öffentlichen Pressemitteilung auf folgende Punkte hin:
„Eine OECD-Umfrage in 48 Ländern hat ergeben, dass Jugendliche und junge Erwachsene
zwischen 15 und 24 Jahren sich aufgrund der Corona-Pandemie weniger um ihre körperliche
als ihre seelische Gesundheit Sorgen machen. Die Unsicherheit ihrer beruflichen Zukunft be-
unruhigt sie. Aber auch Befürchtungen, was die Kontaktmöglichkeiten zu Freunden und zur
Familie betrifft, sind demnach verbreitet. Junge Menschen geben an, weniger besorgt über
Einschränkungen ihrer individuellen Freiheiten und bezüglich ihrer eigenen körperlichen Ge-
sundheit zu sein als um das Wohlergehen älterer Menschen.“
„Das psychosoziale und subjektive Wohlbefinden von Heranwachsenden ist auch abhängig
davon, wie sehr sich ihr Alltag verändert, welchen Stress ihre Eltern erleben und ob sie eine
Krankheit von Angehörigen oder der Verlust von geliebten Menschen miterleben müssen, gibt
Dr. Fegeler zu bedenken“


Als weiteres Beispiel für die Problematik der gesundheitlichen Veränderung im Jugendalter
sowie bei Erwachsenen, zitieren wir aus einem Interview der Fachzeitschrift Ärzteblatt. Frau Ariadne Sartorius, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, gab unter anderem an:
„...einen massiven Ansturm auf Therapieplätze zu erleben. Die Zahl der Anfragen sei enorm
gestiegen“

„...Kindern, dass sie sich allein gelassen fühlen mit dem Lernen, Probleme haben, sich selber
zu organisieren und sich Wissen anzueignen.“
„Zu nimmt auch das Rückzugverhalten, Stimmungsschwankungen, der Medienkonsum, de-
pressive Symptome und Ängste. Hier insbesondere die Angst vor aber auch die Auseinander-
setzung mit dem Tod. Auch Zukunftsängste sehe ich verstärkt“

Der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) hat eine Online-Befragung, im
Zeitraum Mitte Dezember bis Mitte Januar durchgeführt. Hierzu äußerte sich Frau Sartorius
wie folgt:
„Viele Befragte berichten von jungen Patienten, die nicht unter dem Lockdown leiden, die
stabil weiterleben. Daneben gibt es aber eine Patientengruppe, die stark belastet ist.“
„Wir haben daneben nach einer Zunahme von häuslicher Gewalt gefragt, weil ja die Einrich-
tungen der Jugendhilfe geschlossen sind. Viele berichteten von einer gelegentlichen bis häufi-
gen Zunahme von häuslicher Gewalt.“
„Zugenommen haben.....auch Geschwisterkonflikte, vor allem bei Familien mit beengten
räumlichen Verhältnissen,...“

Auch zeigt diese online Umfrage, dass körperliche Veränderungen stattfinden.
„....berichteten die Kinder- und Jugendärzte, die wir befragt haben, von einer Zunahme von
Adipositas bei Kindern aber auch bei Eltern wegen der eingeschränkten Bewegungsmög-
lichkeiten“

Auf die Frage, Wie lange die Kinder und Jugendlichen solche komplette Kontaktreduzierung
aushalten, antwortete Frau Satorius kurz und sehr aussagekräftig:
„Wir sehen, dass die Kinder mit zunehmender Länge des Lockdowns und Unvorhersehbarkeit
wie es weitergeht, immer mehr ‚am Rad drehen‘. Die Frage, wie lange sie das noch aushal-
ten, kann ich nicht beantworten“

Dieser kurzer Einblick in die kleinen Seelen unserer Kinder und Heranwachsenden, aber auch
der Erwachsenen zeigt, dass mit zunehmender Länge des Lockdowns im Amateursport sich
der gesundheitliche Zustand der Menschen rapide verändert.

Der Amateursport kann hier sehr intensiv dazu beitragen, dass diese gesundheitlichen Folgen
abgemildert werden können. Gerade im Bereich des Kinder- und Jugendsports werden Trainer
aber auch Leistungsträger als Vorbild und Vertrauensperson wahrgenommen. Auch der soziale
Umgang mit anderen Menschen jeglicher Herkunft, wird durch den Amateursport gelebt. So entstanden und entstehen auch in Zukunft weiter Freundschaften, Liebespaare oder gar Fami-
lien.

Der Amateursport steht aber auch für Konfliktlösung, sei es in der Schule, unter Freunden
oder gar in der Familie. Durch eine vertrauensvolle Atmosphäre und Zusammenarbeit mit Ju-
gendverbänden / Sozialarbeitern konnte so manches Problem gelöst werden.

Ziel der Petition:
Die oben genannten Ausführungen zeigen eindeutig, dass die Politik endlich eine Strategie er-
arbeiten muss, damit wir eine Zukunft für unsere Amateursportler/-innen haben.
Viele Betreiber eines Fitnessstudios, Gyms, Vereins....stehen vor dem Aus. Dies bedeutet
nicht nur einen finanziellen Ruin für den Besitzer, vielmehr verringert sich das Angebot sport-
licher Aktivitäten für die gesamte Bevölkerung.
Vor der Pandemie betraf der Anteil der Amateursportler/-innen fast 50% der deutschen Bevöl-
kerung. Jeden Tag haben die Vereine, Studiobesitzer... 1-2 Kündigungen zu verzeichnen. Dies
wird zusätzlich noch mit Schließungen verstärkt.
Wir möchten daher hier festhalten, dass nicht der Profisport hier einen erheblichen Anteil
am Gesundheitszustand der Bevölkerung beiträgt, sondern eben genau diese Sportmöglichkei-
ten für die gesamte Bevölkerung in Vereinen, Fitnessstudios, Gyms etc. ihren Beitrag dazu
leisten.
Ziel ist es die stufenweise Wiederaufnahme des Amateursportbetriebs in den einzelnen Verei-
nen, Schulen, Clubs / Fitnessstudio etc.
Einbindung der Lösungsvorschläge sowie die Öffnungsstrategie des gesamt deutschen Ama-
teursports.
Wiederaufnahme aller präventiven Maßnahmen für die Gesunderhaltung der Bevölkerung, da
hier der Amateursport einen wesentlichen Anteil dazu beiträgt.
Daher schlagen wir folgende Lösung vor, angelehnt an den Stufenplan des Landessportbund
Brandenburg:

1. bei einem Inzidenzwert bis 50 pro 100.000 Einwohner:
- Der Sportbetrieb ist für alle Altersgruppen auf und in allen Sportstätten ohne Einschränkun-
gen erlaubt
(Angebot von Schnelltests sind vorhanden)

2. bei einem Inzidenzwert über 50 bis 100 pro 100.000 Einwohner:
- Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre): Sportbetrieb auf und in allen Sportstätten ist ohne
Einschränkungen erlaubt
(vorausgesetzt ist ein negativer Schnelltest)Petition zum Lockdown für den Amateursport
- Erwachsene (über 18 Jahre): Sportbetrieb auf und in allen Sportstätten ist ohne Einschrän-
kungen outdoor und indoor erlaubt
(vorausgesetzt ist ein negativer Schnelltest)

3. bei einem Inzidenzwert über 100 pro 100.000 Einwohner:
- Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre): Sportbetrieb auf und in allen Sportstätten (indoor und
outdoor) ist ohne Einschränkungen erlaubt
- Training in Gruppen nach Größe der Trainingsfläche bemessen möglich
(verpflichtender negativer Schnelltest oder PCR Test nicht älter als 48 Stunden)
- Erwachsene (über 18 Jahre): Sportbetrieb auf allen Sportstätten unter freiem Himmel (out-
door) ist ohne Einschränkungen erlaubt
- Training in Gruppen nach Größe der Trainingsfläche bemessen möglich
(verpflichtender negativer Schnelltest oder PCR Test nicht älter als 48 Stunden)

4. bei einem Inzidenzwert ab 150 pro 100.000 Einwohner:
- komplette Schließung aller Sportstätten indoor wie outdoor
- keine Zulassung jeglicher sportlicher Betätigungen Amateur- wie Profisport
- zwei– bis dreiwöchiger harter Lockdown
- danach weiter verfahren nach Inzidenzlage und Stufenplan

Bei den Stufen zwei und drei wird, wie zum ersten Lockdown ein Kontakttagebuch durch den
Besitzer, Vorstand, Betreiber... angelegt und für 30 Tage archiviert.
Die Nutzung sanitärer Anlagen muss unter Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen
und dem Abstandsgebot gewährleistet sein, sobald ein Sporttreiben angeboten wird.
Abstand, Mund-Nasen-Bedeckung (in Umkleiden und sanitären Anlagen), Händehygiene und
regelmäßiges Lüften in Räumlichkeiten sind verpflichtend.
Sollten die oben genannten Punkte keinerlei Zustimmung finden, so bitten wir um anderweiti-
ge Vorschläge. Diese Vorschläge sollten nicht mit einem erneuten Lockdown für den Ama-
teursport einhergehen.

Die Frage nach der Finanzierung der jeweiligen Tests könnte wie folgt erfolgen:

1. „Vermögensabgabe“ der Profisportvereine:
Da in diesen schwierigen Tagen der Profisport nur durch seine starke Lobbyarbeit in der
Politik weiter trainieren und Gewinne erzielen kann, halten wir eine sogenannte „Vermögens-
abgabe“ an den Amateursport für gerechtfertigt. Diese Abgabe kann durch den DOSB kontrol-
liert und koordiniert werden.
Allein eine Abgabe von 5% auf den gesamten Gewinn dieser Vereine, würde dazu beitragen,
dass hier die Betreiber der jeweiligen Studios nicht auf den Kosten bei der Beschaffung der
Tests sitzen bleiben. Aus jetziger Sicht und Situation wird sich niemand diese Kosten leisten
können.
Die Verteilung durch den DOSB kann je nach Anzahl der Mitglieder/-innen erfolgen.

2. der Staat subventioniert diese Tests:
Viele Vereinsmitglieder/-innen sind auch bereit hier die Kosten für einen Schnelltest selbst zu
tragen. Hier stehen aber gleich zwei Nachteile entgegen:
2.1. bei einem Preis von 5,-€ pro Test und 3 x Training pro Woche, würde die finanzielle Be-
lastung 60,- € im Monat betragen. Diese Kosten kommen somit zusätzlich zum monatlichen
Mitgliedsbeitrag hinzu. Somit können sich die Kosten schnell verdoppeln.
2.2. sozial benachteiligte Menschen kommen somit gar nicht den Genuss über ihren Verein
wieder Sport zu treiben. Dies hätte zur Folge, dass das soziale Gefüge weiter aus den Fugen
gerät und der gesundheitliche Zustand dieser Personengruppe sich weiter verschlechtert.

3. der Staat subventioniert und die Vereine leisten einen finanziellen Bei-
trag:
Eine Kombination aus Punkt eins uns zwei wäre auch denkbar.
Hier können alle sozialen Schichten wieder aktiv am Amateursport teilnehmen.
Nachteilig betrachten wir die erneute Belastung der Steuerzahler.
Zum Abschluss möchten wir hiermit deutlich machen, dass wir Corona weder leugnen, ver-
herrlichen oder herabspielen. Es ist und bleibt eine schwer verlaufende bis tödliche Krankheit
aller Altersgruppen.
Wir sind für Corona Maßnahmen, diese sollten aber nicht nach Lobbyarbeit entschieden wer-
den, sondern vielmehr für die gesamte Bevölkerung sinnhaft und nachvollziehbar sein.
Wir möchten weg von jeglicher Einzelfallentscheidung, welche gerichtlich erstritten werden
muss, sondern vielmehr hin zu einer Gemeinsamkeit des Amateursports.
Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass eben die kleinen Vereine, Studiobetreiber, Gym
Besitzer...sich vielmehr vernetzen und organisieren müssen um mit dem jeweiligen Landes-
sportbund der Bundesländer etwas zu erreichen.
Nach mehr als einem Jahr Pandemie stehen wir zu einem verständlichen Plan, der unser Zu-
sammenleben im Amateursport möglich macht.

In diesem Sinne bleibt gesund und hoffentlich bald wieder
SPORT FREI"
Moderator
 
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Registriert: Di 27. Okt 2009, 09:20

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