L 20/198 - Gesichtsschutzvisiere im Sinne der Corona-Verordnungen anerkennen

L 20/198 - Gesichtsschutzvisiere im Sinne der Corona-Verordnungen anerkennen

Beitragvon Moderator » Mo 20. Jul 2020, 11:03

Herr Dr.-Ing. Brian Corley hat nachstehende Petition eingereicht:

Anerkennung von Gesichtsschutzvisieren als Alternative zu textilen Mund-Nase-Bedeckungen im Sinne der Corona-Verordnung von Bremen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI), wie auch andere renommierte Institutionen des Gesundheitswesens, beschreiben die Sinnhaftigkeit von Mund-Nase-Bedeckungen im Kontext der COVID-19-Gefährdung wie folgt:
„Durch eine Mund-Nasen-Bedeckung können infektiöse Tröpfchen, die man z.B. beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, abgefangen werden. Das Risiko, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, kann so verringert werden (Fremdschutz).“
Ebenso wie andere Institutionen des Gesundheitswesens weist das RKI aber auch darauf hin, dass diese Wirkung nur vermutet, aber nicht nachgewiesen ist:
„Eine solche Schutzwirkung ist bisher nicht wissenschaftlich belegt, sie erscheint aber plausibel. Hingegen gibt es für einen Eigenschutz keine Hinweise.“
Diese Argumentation für eine Maskenpflicht trotz nicht vollständig vorgelegter Wirksamkeitsbelege ist nachvollziehbar, weil alles, was das Risiko einer Infektion reduziert auch ohne expliziten Nachweis eine Verbesserung gegenüber keiner Maßnahme darstellt. So erfüllt selbst ein lose angelegter Schal die Anforderungen an eine Mund-Nase-Bedeckung, auch wenn er nur einen Bruchteil der ausgestoßenen Tröpfchen abfängt.
Textile Mund-Nase-Bedeckungen haben allerdings einen sehr schlechten Tragekomfort und lassen sich leicht fehlbedienen. Jeden Tag sieht man mehr Menschen, die ihre Mund-Nase-Bedeckung nur halb über Mund und Nase oder sogar nur noch über dem Kinn tragen. Das ist zwar nicht erlaubt, aber verständlich. Schließlich schreibt die Arbeitsmedizin für das Tragen einer Ausrüstung, die die Atmung merklich beeinträchtigt, für mehr als 30 Minuten am Tag bereits eine Vorsorgeuntersuchung (G26) vor! Eine in keinerlei Weise definierte oder geprüfte Mund-Nase-Bedeckung, die unbestritten die Atmung beeinflusst, ist aber ohne weitere medizinische Untersuchung grundsätzlich für jeden verpflichtend. Für Ausnahmen muss der Träger den Nachweis führen, dass er die atmungserschwerende Mund-Nase-Bedeckung nicht tragen kann, die Beweislast ist hier also umgekehrt und auf den Bürger abgewälzt.
Das Coronavirus und die damit eingehende Notwendigkeit der Risikominimierung werden uns noch lange begleiten und die Akzeptanz der Bevölkerung für unbequeme Mund-Nase-Bedeckungen wird kontinuierlich noch weiter abnehmen.
Vermutlich aus ebendiesem Grund haben eine Reihe anderer Bundesländer wie z.B. Niedersachsen und Hessen aber auch angrenzende Staaten wie Österreich eine Alternative mit vielen offensichtlichen Vorteilen zugelassen. Gesichtsschutzschilde, auch Visiere genannt, erfüllen ebenfalls die grundlegenden Anforderungen, die das Robert-Koch-Institut und andere an Mund-Nase-Bedeckungen stellen. Sie können infektiöse Tröpfchen zurückhalten. Dies wurde inzwischen auch zweifelfrei durch wissenschaftliche Studien wie z.B. Face Coverings, Aerosol Dispersion and Mitigation of Virus Transmission Risk, I.M. Viola et al., University of Edinburg belegt.
Die Schutzfunktion eines Gesichtsschutzschildes hat natürlich auch Grenzen. So wird vor allem bemängelt, dass diese Form des Gesichtsschutzes nicht luftdicht abschließt und somit sehr feine schwebende Aerosole entweichen können. Doch genau dies leisten auch textile enganliegende Mund-Nase-Bedeckungen in keinerlei Weise. Auch sie halten nur größere Tröpfchen zurück, die feinen Aerosole entweichen entweder seitlich oder dringen durch den Stoff.
Die Vorteile der Gesichtsschutzschilde gegenüber einer eng anliegenden textilen Mund-Nase-Bedeckungen sind offensichtlich. Sie erschweren das Atmen deutlich weniger, schränken die Kommunikation - auch mit Hörgeschädigten - durch das Verdecken des Gesichts nicht ein und verlieren nicht ihre Schutzfunktion über die Zeit. Eine Fehlbedienung durch falschen Sitz ist praktisch unmöglich. Zudem schützen Gesichtsschilde als ausdrückliche Augenschutzgeräte auch die Augen des Trägers, über die auch eine Infektion erfolgen kann.
Gesichtsschilde lassen sich zudem auch von vielen Menschen tragen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Stoffmaske tragen können. Diese brauchen aktuell ein Attest von ihrem behandelnden Arzt um ihre Befreiung von der Maskenpflicht nachweisen zu können. Man macht damit seine Vorerkrankung öffentlich, was zu Spekulationen und Vorverurteilungen führen wird. Zudem würde auch ein berechtigtes Nichttragen einer Stoffmaske vielfach als Fehlverhalten missinterpretiert werden und negative Reaktionen der Mitmenschen hervorrufen.
Auch in Zeiten der Corona-Pandemie darf die Nachhaltigkeit nicht außer Acht gelassen werden; Gesichtsschilde sind leicht zu reinigen und zu desinfizieren und damit wiederverwendbar.
Somit stellen Gesichtsschutzschilde einen geeigneten Drittschutz vergleichbar zu den Mund-Nase-Bedeckungen dar, bei allerdings deutlich höherem Tragekomfort und damit sicher größerer langfristiger Akzeptanz für eine noch länger notwendige Maskenpflicht.
Ich bitte daher um die Anerkennung von Gesichtsschutzschilden als geeignete Mund-Nase-Bedeckungen im Sinne der Corona-Verordnung von Bremen.
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