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S 20/139: Maßnahmen gegen Fassadenschmierereien

BeitragVerfasst: Do 15. Okt 2020, 07:11
von Moderator
Eheleute Berthold haben nachstehende Petition eingereicht:

"Petition Fassadenschmierereien: „Wir wollen das jetzt nicht mehr dulden.“

Seit geraumer Zeit wird Bremen zunehmend von gesprayten Fassadenschmierereien verunstaltet, die das Stadtbild mittlerweile in unerträglichem Ausmaß negativ prägen. Gemeint sind hier nicht kunstvolle Graffiti auf freigegebenen Flächen, sondern:
• Tags, Markierungen, Zeichen, Übersprühungen,
• Pseudo-politische Statements unterschiedlicher politischer Ausrichtung.

Die Schmierereien beschädigen öffentliche Gebäude, Privathäuser, Verkehrsschilder, Infotafeln in Parks oder vor gemeinnützigen oder wohltätigen Einrichtungen.
Diese Schmierereien missachten das Eigentumsrecht (Art. 14 Grundgesetz), sie belasten die Umwelt und kosten die Stadtgemeinschaft und Privatleute eine Menge Geld, wenn sie entfernt und Wände renoviert werden müssen.
Staatliche oder private Bemühungen, die Stadt zu verschönern oder die Bürgerinnen und Bürger zu informieren (z.B. durch Hinweisschilder am Werdersee oder im Blindengarten in St. Magnus) werden missachtet und zerstört.

Als überzeugte Demokraten können wir es nicht dulden, dass eine kleine Minderheit von Sprayern Interesse und Eigentum der großen Mehrheit in höchst unsozialer und strafbarer Weise ignoriert und verletzt.
Viele europäische Städte haben sich mittlerweile offensiv und erfolgreich gegen diese Schmierereien gewehrt. Aus dem toleranten Amsterdam z.B. haben wir von Bürgerinnen und Bürgern gehört, dass sie vor etwa 15 Jahren beschlossenen hatten, diese Schmierereien nicht mehr zu dulden. So entstanden der politische Wille und die politische Mehrheit, die Schmierereien zu entfernen und die Verursacher zur Verantwortung zu ziehen.

Von den politisch Verantwortlichen in den Bremer Parteien und Fraktionen hören wir zu diesem Thema nichts: weder eine klare Positionierung, geschweige denn geeignete Maßnahmepläne. Die ehemalige Polizeisonderkommission „Graffiti“ wurde wieder abgeschafft; doch der Versuch, diesem Problem mit Toleranz oder Laissez-faire zu begegnen, ist gescheitert. Die Politik braucht eine Chance, diesen Fehler zu korrigieren und wartet vielleicht sogar auf die deutliche Willensbekundung der Bremer Bürgerinnen und Bürger. Dieses Thema muss auf der Agenda der politische Mitte stehen.

Daher fordern wir:

1. Eine Bürgerschaftsdebatte zu diesem Thema mit deutlicher inhaltlicher Positionierung der Fraktionen und des Bürgermeisters,
2. Die Wiedereinrichtung einer Polizeisonderkommission „Fassadenschmierereien / Graffiti“ und eine konsequente strafrechtliche Verfolgung und Bestrafung der Verursacher,
3. Die schrittweise aber zügige Entfernung von Fassadenschmierereien an öffentlichen Gebäuden, Einrichtungen, Verkehrsmitteln, Zeichen und Schildern,
4. Die Freigabe von geeigneten Wandflächen für künstlerische Graffiti; hier können die Hochschule für Künste, Kunstkurse der Bremer Schulen und andere interessierte Künstlerinnen und Künstler ins Boot geholt werden.

Wir möchten die Bremer Bürgerinnen und Bürger ermutigen und auffordern, diese Petition zu unterstützen.
Geben wir den Volksvertreterinnen und –vertretern eine Chance zur Kurskorrektur.

Silke und Michael Berthold"

Re: S 20/139: Maßnahmen gegen Fassadenschmierereien

BeitragVerfasst: Mo 26. Okt 2020, 10:24
von htn
Es ist in der Tat eine sehr wichtige Petition!

Die Leute wissen oft gar nicht, wie viel Aufwand und auch Kosten damit verbunden sind, auch nur ein einziges Graffiti zu entfernen. Das kann auch durchaus auf ein kompletten Ersatz des drunterliegenden Materials hinauslaufen, da man es je nach Graffiti-Mittel, nicht mehr vollständig entfernt bekommt oder die Entfernung das Material beschädigt/bleicht.

Es ist unglaublich, was sich die Leute rausnehmen, fremde Hauswände zu beschmieren.

Re: S 20/139: Maßnahmen gegen Fassadenschmierereien

BeitragVerfasst: Fr 13. Nov 2020, 09:23
von HChHoppensack
Ein weiteres, die Lösung behinderndes Problem ist neben der mangelhaften Finanzierung von Beseitigungsmaßnahmen die zersplitterte unkoordinierte Zuständigkeit in Gestalt von Stadtreinigung, Amt für Straßen und Verkehr und Deichverband und möglicherweise anderen Behörden und deren Gebäuden, an denen Grafitti angebracht wurden. Viele Köche verderben den Brei. Es gibt ein gutes Beispiel, wie man solche Hemmnisse beseitigen könnte: Die Osterdeichwiesen sahen besonders im Sommer so lange wie Sau aus, bis jemand die gute Idee hatte, dafür eine private Firma zu engagieren. Ähnlich könnte man es mit Graffiti machen. Mehr Geld würde zweifellos auch das kosten. Aber es würde jemand für das ganze, zumindest in bestimmterr Weise definierte Problem (zB Beseitigung von Schmierereien an öffentlichen Gebäuden in der Innenstadt) und seine Lösung verantwortlich sein. Eine weitere Lösung wäre zB die Unterstützung von freiwilligem bürgerschaftlichen Engagement durch finanzielle Zuschüsse und fachliche Unterstützung durch Profis. Um mit einem Bild zu schließen: Ein Wald gedeiht nicht, wenn es keinen Förster gibt, der etwas von der Ökologie des Waldes versteht und entsprechend den Wald pflegt.

Re: S 20/139: Maßnahmen gegen Fassadenschmierereien

BeitragVerfasst: Fr 13. Nov 2020, 11:57
von Franz
Vielen Dank an die Initiatoren dieser Petition !!! Das ist längst überfällig, Bremen sollte mehr Geld in die Entfernungder Schmierereien investieren und vor allen Dingen die Täter ermitteln, egal ob von rechts oder links.

Re: S 20/139: Maßnahmen gegen Fassadenschmierereien

BeitragVerfasst: Fr 13. Nov 2020, 13:22
von R.Heimsoth
Ein "Kunstwerk" mühsam und teuer entfernt, ein Tag später waren vier neue "Heldentaten" da.
Mühsam, aber man muß sie gleich entfernen. So geht es immer weiter.
Aus ihren Ämtern sollte man auch die Politiker entfernen (abwählen), die dieses durch nichthandeln dulden oder sogar durch "Kunstwerkgerede" unterstützen und nichts wirksammes dagegen unternehmen. Im Gegenteil die Polizei wird in Ihrer Arbeit durch Abzug der Sondergruppe behindert! So klappt es mit demTäterschutz in Bremen.

Re: S 20/139: Maßnahmen gegen Fassadenschmierereien

BeitragVerfasst: Sa 14. Nov 2020, 10:14
von GeBo
Ich habe die Stadtreinigung bereits im November 2019 auf die zunehmende Verwahrlosung der Flächen an der Klinkerwand vom Teerhof zur Kleinen Weser per Mängelmelder hingewiesen.
Antwort der Behörde: „Dafür stehen in diesem Jahr (2019) keine Mittel mehr zur Verfügung und auch für 2020 nicht.“ Bis zur Neuordnung der Stadtreinigung war die „Leitstelle Saubere Stadt“ dafür zuständig und hat auch reagiert. So schlimm wie jetzt, sah es noch nie an der Kleinen Weser aus.
Das Foto im Weser-Kurier vom 12.11.20 veranschaulicht auf deutliche Weise, wie Bremen seine Touristen 500m Luftlinie vom Roland entfernt empfängt.
Aber, statt etwas gegen die Verwahrlosung durch Farbschmierereien zu unternehmen, wurden jetzt auf dem Boden kurz vor der Wehrbrücke am Teerhof die Bremer Stadtmusikanten aufgebracht. Übrigens direkt neben eine Pflasterabsackung, die seit 6 Wochen rot/weiß eingezäunt den Fußweg zur kleinen Weser stark einengt). Offenbar soll das ca. 1 qm große Bild der Stadtmusikanten auf dem Boden mit Hinweis: „10 Min. bis zur Stadtmitte“ die Touristen abhalten, in die Runde zu blicken und wahrzunehmen, wie armselig sich diese Stadt an einem Einfallstor zur Innenstadt verhält.
Woran liegt es? Sind die Verantwortlichen für die Entfernung von Graffiti vielleicht noch so jung, dass sie deshalb gar nicht mehr wissen wie z. B. ein Brückenpfeiler oder eine Wand ohne Farbschmiererei aussehen?
Ich habe nichts gegen Graffiti-Kunst an Bunkern, Brückenpfeilern oder ähnlichem. Es sollte dann aber auch Kunst sein. An Natursteinen (z.B. Klinker) haben weder Kunst noch Schmierereien etwas zu suchen. Leider hat Bremen auch das sogar gefördert (siehe die öffentlich gelobte Bemalung der Klinkerfassade an der Kleinen Weser Höhe W.-K.-Brücke). Wer trägt eigentlich die Kosten, wenn die Farbe, die dort jetzt bereits abzublättern beginnt, entfernt werden muss? Was passiert mit den Klinkern durch die chemische und mechanische Beanspruchung bei der Reinigung??
Die Entfernung von Schmierereien kostete 2005 in Deutschland bereits 500 Millionen Euro (Wikipedia). Die Menschen, die ihren Frust, ihre politische Meinung oder sonstige Gefühle durch Farbschmierereien auf öffentlichen und privaten Flächen anbringen, müssen deshalb zur Rechenschaft gezogen werden. Das muss allerdings politisch gewollt sein. Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Bürgerschaft, sollte es die Petition bis dahin schaffen.
Gerhard Bomhoff

Re: S 20/139: Maßnahmen gegen Fassadenschmierereien

BeitragVerfasst: Sa 14. Nov 2020, 17:30
von Demokrat29
Es ist unfaßbar, wie Bremens einst schönes Stadtbild mehr und mehr verschwindet, einerseits durch fantasielose Gebäude in Kastenbauweise, andererseits durch Fassadenschmierereien und Aufkleber. In der Innenstadt und im Steintor gibt es gefühlt kein Verkehrsschild mehr, was nicht irgend einen Aufkleber hat, der nicht gerade Sinngeprägt ist. Die Fassadenschmierereien sind teilweise auch gut, wenn sie z. B. Karrikaturen sind: Parkallee, Unterführung von Zugbrücke, vor Hotel Munte. Aber farbiges, nur Gekritzel ist nicht hinzunehmen. Warum machen sich Menschen strafbar: Sachbeschädigung: Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahre oder Geldstrafe , §303StGB? Narrenhände beschmieren Tisch und Wände! Diesen alten aber guten Spruch sollte Jeder beherzigen, verstehen und gelernt haben. Diese Schmierereien haben Hausbesitzer auch schon in den Ruin getrieben. Wenn man kein Eigentum hat, kann man sich so etwas wohl kaum vorstellen. Warum die Verfolgung der Straftäter in Bremen so gar nicht vorankommt, kann man eigentlich nur damit erklären, dass wohl Angst vor Aufdeckung in den eigenen Reihen (Befangenheit) herrscht. Man stelle sich vor: Da wird ein Täter verhaftet und es ist der Sohn/ die Tochter/ Enkelin des Senators.....der Senatorin....! Justitia ist ja bekanntlich nicht nur auf dem linken Auge blind.